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Aktuell

Stellungnahme: Spitalleitung Bülach

Medienmitteilung, 25.September 2020

Namens der Ärztinnen und Ärzte sowie der Pflegenden des Spitals Bülach erwarten die Berufsverbände VSAO und SBK die Reorganisation der Spitalleitung.

Seit der Freistellung von Dr. Zerkiebel ist nichts mehr wie es war. Die Freistellung brachte das Fass zum Überlaufen – die Stimmung ist nun auf dem Nullpunkt

Aus Angst, dass ihnen dasselbe Schicksal wie dem ärztlichen Direktor erfahren könnte, forderte die
Belegschaft (und zwar praktisch unisono, über alle Hierarchiestufen und Abteilungen) anfangs dieser
Woche via Berufsverbände, VSAO Zürich, SBK ZH/GL/SH sowie der VZI (Vereinigung der Zürcher
Internistinnen und Internisten) vom Verwaltungsrat die Neuorganisation der Geschäftsleitung.
Die Berufsverbände, sonst eher für ihre Konsenslösungen bekannt, sehen sich gezwungen, die
Forderung des Personals nach einer Neuausrichtung der Geschäftsleitung zu unterstützen.

An einer Sitzung in dieser Woche ist durchgesickert, dass der Gekündigte offenbar in einem
Vieraugengespräch mit dem CEO mit der Kompetenzfrage die rote Linie überschritten habe. Eine
Machtdemonstration, um sich der Vertrauensfragen nicht stellen zu müssen? Kennt der Verwaltungsrat
auch die Version des Gekündigten? Auf jeden Fall für das Personal ein weiterer, unüberlegter ad hoc
Entscheid, dessen Konsequenzen weder von der Geschäftsführung noch vom Verwaltungsrat sorgfältig
abgewogen wurde. Die Solidaritätsbekundungen in offenen Briefen, medialen Kommentaren von
Personal, Zuweisern, Ehemaligen, Fachgremien etc. sprechen für sich, der Imageschaden wird für das
Spital Bülach enorm sein.

Dass die Spitäler punkto Wirtschaftlichkeit ihren Gürtel enger schnallen müssen, um ihren
Versorgungsauftrag behalten zu können, ist auch dem Personal klar. Es ist bereit, Sparmassnahmen
mitzutragen. Aber nicht jede ökonomische Entscheidung ist auch aus pflegerischer und medizinischer
Sicht sinnvoll – manche widersprechen gar dem Patientenwohl.
Um ein Gleichgewicht zwischen ökonomischen Überlegungen und dem medizinischen Grundauftrag
eines Spitals zu erreichen, hat das Personal eigene Sparmassnahmen vorgeschlagen. Diese haben es
nicht einmal in die Wahrnehmung der Entscheidungsträger geschafft. Viel lieber setzt man für viel Geld
bei den internen Projekten auf externe Fachpersonen als auf das vorhandene Know-How der eigenen
Mitarbeitenden oder die Teamarbeit. Ohne Anhörungen der betroffenen Mitarbeitenden und der
Zuweisenden wurden auch Entscheide gefällt, die innert kürzester Zeit wieder revidiert werden
mussten, weil sie an den Realitäten des Arbeitsalltages scheiterten. Mit solchen Aktionen verlor das
Spital viel gutes Personal, weshalb mit kostenintensiveren Temporärmitarbeitenden gearbeitet werden
muss, die das Personalbudget regelmässig sprengen.

Generell bemängelt das Personal die Intransparenz der Entscheidfindungsprozesse der Bülacher
Führung. Unreflektierte, überstürzte Aktionen ohne den Einbezug der internen Fachexperten und
Betroffenen lassen eine erkennbare und funktionale Strategie vermissen.
Auch wir als Berufs- und Personalverbände machen mit dem Spital Bülach die Erfahrung, dass unsere
Meinung in Vertretung des Personals nichts zählt. Reglemente werden regelmässig ohne Anhörungen
in Kraft gesetzt. Es macht ganz den Anschein, als wolle die Verwaltung Kritik auf jeden Fall vermeiden.
Die Meinung des Personals als tragende Säule des gesamten Spitalbetriebs zählt wenig, die
Wertschätzung wird als gering erachtet. Die Mitarbeiterzufriedenheit ist in den letzten Jahren stetig
gesunken.

Sowohl vom Personal als auch von aussen betrachtet wird die Geschäftsleitungszusammensetzung als
sehr unausgewogen wahrgenommen. Von den neun Mitgliedern können lediglich drei Personen den
leistungserbringenden Bereichen zugeordnet werden. Dominiert wird die Geschäftsleitung nebst dem
CEO von fünf Personen aus dem Verwaltungsbereich. So besteht ein Stimmenungleichgewicht
zuungunsten der Leistungserbringer. Die restlichen Mitglieder, welche eng mit dem CEO
zusammenarbeiten, wurden von diesem in entsprechende Positionen berufen. Nur diese sind
zeichnungsberechtigt. Dies macht die Vertretung der Leistungserbringer in der Geschäftsleitung zu
einer reinen Alibiübung.

Eine erfolgreiche Spitalführung lässt sich heute aufgrund seiner Komplexität nur mit einem
ausgewogenen, interdisziplinären Führungsgremium erreichen, welches einen transparenten Prozess
etablieren und vor allem mit den Mitarbeitenden kommunizieren kann. Umso grösser ist das
Unverständnis der Belegschaft über die Entlassung von Dr. Zerkiebel, der eine moderne Führung
verkörperte und für moderne und zeitgemässe Arbeitsbedingungen einstand.
Ob das Spital Bülach mit dieser bestehenden Führungscrew in eine erfolgreiche, patientensichere und
professionelle medizinische und ökonomische Zukunft geleitet werden kann, wird vom VSAO, dem SBK
und dem Personal stark bezweifelt.

Der Ball liegt jetzt bei den verantwortlichen Stakeholdern: Die Trägergemeinden bzw. Aktionäre
entscheiden. Sollte sich jedoch in absehbarer Zeit keine fruchtbaren Veränderungen zeigen, so besteht
die Gefahr, dass die Mitarbeitenden zu attraktiveren Arbeitgebern wechseln. Die Berufsverbände
werden das Personal weiter unterstützen und begleiten.

Für Rückfragen:
E-Mail: kommunikation@vsao-zh.ch

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